Über das Buch

Die Grundidee ist folgende: Wir alle sind in eine Gesellschaft, eine Kultur hineingeboren, in der ein gigantisches Tabu existiert. Wir sollen nicht darüber sprechen oder nachdenken, ja uns nicht einmal dessen bewußt werden. Dieses Tabu ist die systematische, unbarmherzige Mißhandlung von Tieren im großen Stil, in erster Linie zu Ernährungszwecken. Wir mißhandeln sie auch in anderer Hinsicht, doch bekanntlich werden gewisse Tiere – Schweine, Kühe, Hähne und Hühner, Fische sowie einige andere Arten – lediglich als Rohstoffe oder als Handelswaren betrachtet und nicht als lebendige Wesen.

Wir alle wurden massiv ideologisch beeinflußt, damit wir uns in ein kulturelles Programm einfügen, durch das wir gezwungenermaßen an Ritualen teilnehmen: die Mahlzeiten. Diese Rituale wurden und werden weiterhin von unseren Eltern und Freunden und anderen Personen in unserem Umfeld, unter deren Einfluß wir stehen, durchgeführt. Im Verlaufe dieser Rituale werden tote Tiere verzehrt. Wir alle waren von jüngster Kindheit an gezwungen, diesen Ritualen beizuwohnen und daran teilzunehmen. Unsere Sensibilität, unser Mitgefühl und unsere angeborene Weisheit wurden dadurch schwerwiegend beeinträchtigt, unterdrückt, erstickt. Dies hat gewaltige Auswirkungen auf unsere Fähigkeit als Spezies, eine Gesellschaft zu erschaffen, in der Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit wahrhaft möglich sind.

Trotz unserer Bemühungen, eine gleichberechtigtere, gerechtere, freundlichere und freiere Gesellschaft aufzubauen, scheint es, als würden wir nur wenig Fortschritte machen. Man könnte sogar den Eindruck haben, dass wir uns zurückentwickeln. Der Grund dafür ist in unserer systematischen Mißhandlung der Tiere zu sehen.

In den USA allein werden täglich ungefähr 75 Millionen Tiere getötet; es handelt sich also um eine gigantische industrielle Tötungsmaschine, die sozusagen hinter den Kulissen arbeitet. Sobald die Menschen anfangen, die Konsequenzen unserer Ernährungsweise zu erkennen und zu verstehen, dass wir viel zu viele Tiere konsumieren, wird den meisten bewußt, dass es drei „Haken" an der Sache gibt:

  1. Es ist nicht gut für die Umwelt.
  2. Es ist nicht gut für die Tiere, die ganz offensichtlich furchtbar leiden.
  3. Es ist nicht gut für uns, denn eine Ernährung, die große Mengen an Fleisch, Milchprodukten und Eiern enthält, ist für eine ganze Reihe von Krankheiten verantwortlich.

Hierbei handelt es sich um die drei Hauptfaktoren, über die sich die meisten Menschen im Klaren sind und über die sie sprechen. Doch während meiner Forschungen an der Universität Berkeley und auch später habe ich herausgefunden, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Das ist der zentrale Gedanke meines Buchs. Es steht außer Zweifel, dass die oben genannten drei Aspekte von außerordentlicher Bedeutung sind. Doch die Angelegenheit ist sehr viel umfassender.

In meinem Buch stelle ich heraus, dass die spirituellen, psychologischen, kulturellen und sozialen Dimensionen, auf denen unsere Ernährungspraktiken beruhen, mindestens ebenso bedeutsam sind – wenn nicht bedeutsamer, denn es sind diese Dimensionen, die unseren angeborenen gesunden Menschenverstand beeinträchtigen und unsere Fähigkeit, unsere spirituellen, ethischen und sozialen Ziele zu erreichen, zunichte machen. Eine vertiefte Erkenntnis der Hintergründe unserer Ernährungsweise vom historischen, anthropologischen und soziologischen Standpunkt bringt uns ein völlig neues Verständnis der Welt. Es war mein Wunsch, dies mit meinen Lesern zu teilen.

Auszug aus einem Interview mit Will Tuttle, das Armaiti May, eine vegane US-amerikanische Tierärztin für ihre Radiosendung „Animal Issues" vom 7. Mai 2013 geführt hat. Übersetzt von Stefan Gutwin.